Die Escuela Helen Keller

Seit fast zwei Monaten arbeite ich nun schon zusammen mit Leonie in der Helen Keller Schule für seh- und mehrfach behinderte Kinder. Höchste Zeit also ein erstes Fazit zu ziehen.

Übersicht über die Schule:

Die Schule umfasst einen Kindergarten, eine Gruppe von Kleinkindern und Babys, eine für mehrfach behinderte Kinder sowie die Grundschule von der 1. bis zur 6. Klasse. Alle Kinder haben entweder eine starke Sehbehinderung oder sind vollständig blind. Diese Schule ermöglicht den Kindern und ihren Eltern sich mit Personen mit ähnlichen Einschränkungen auszutauschen und sich so besser verstanden zu fühlen.

Zudem bietet die Escuela Helen Keller mit geschulten Personal, entsprechender Ausrüstung und jahrzehntelanger Erfahrung beste Voraussetzungen, um auf die Besonderheiten der Kinder einzugehen. Gleichzeitig sollen die Kinder in die Gesellschaft integriert werden und die Möglichkeit für den Übergang auf eine Regelschule nach der 6. Klasse geschaffen werden.

Viele Kinder kommen aus ärmlichen und teilweise schwierigen Verhältnissen. Manche Kinder werden erst spät eingeschult oder haben keinen Kindergarten besucht. Dies geht teils mit Auffälligkeiten und einer weniger weit fortgeschrittenen Entwicklung einher. Doch auch diesen Kindern kann hier geholfen werden. Zudem erhalten alle Schulkinder eine warme Mahlzeit und können in den Schulbussen mitfahren.

Schulfächer und Besonderheiten

Wie an jeder anderen Schule wird auch hier Spanisch, Englisch und Mathe unterrichtet. Dafür lernen die Kinder Braille-Schrift. Eine Schrift, die aus den Kombinationen von allein sechs Punkten alle Buchstaben des Alphabets inklusive Sonderzeichen darstellen kann. Die Punkte werden in das Papier reingedrückt und lassen sich so erfühlen. Ein paar wenige (die entsprechend gut sehen) können zusätzlich auch die „normale“ Schrift lernen. Für die Braille-Schrift besitzen die Schüler spezielle Schreibmaschinen. Auch die Bücher in der Schulbibliothek sind fast alle mit Braille-Schrift geschrieben. Besonders schön sind dabei die Kinder-/Bilderbücher, die zusätzlich mit verschiedenen Materialien und Stoffen beklebt sind, damit man die Bilder erfühlen kann.

Auch den Matheunterricht kann man mit Hilfe von Braille ähnlich wie an Regelschulen gestalten. Selbst Notenlesen im Musikunterricht lernen die älteren Kinder.

Sport- und sogar Schwimmunterricht steht auch für alle Schüler der Schule unabhängig vom Alter auf dem Stundenplan. Dafür hat die Schule sogar ein eigenes Schwimmbad. Es ist wirklich eine Freude zu sehen wie die Kinder, welche teilweise auch weitere Behinderungen haben, beim Schwimmen aufgehen und wie viel Spaß sie dabei haben.

Ein weiteres Highlight ist der Computerunterricht. Dort helfen Leonie und ich auch mit. Die Computer selber sind nicht speziell für Blinde konstruiert. Der einzige Unterschied ist eine Software, die jeden geschriebenen Buchstaben, jedes geöffnete Fenster und jede Fehlermeldung laut vorliest. Statt den Computer zu sehen, hören die Schüler also alles. Hier lernen die Kinder vor allem mit einem Computer umzugehen. Das umfasst das Zehn-Finger-Schreiben und verschiedene Tastenkombinationen. Auch wenn alles etwas länger braucht als an anderen Schulen, bietet der Unterricht den Kindern eine große Hilfe für den Alltag außerhalb der Schule und das spätere Berufsleben.

Die Lehrerin ist übrigens selber blind.

Fazit

Die Arbeit in dieser Schule macht mir viel Spaß, auch wenn es teilweise nicht einfach ist. Der Umgang mit den Kindern ist sehr schön und individuell. Jedes Kind soll sich willkommen und verstanden fühlen.

Ich bin mir sicher, dass ich viel aus diesem Jahr hier mitnehmen werde.

Categories:

Tags:

One response

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert