Dia de los Muertos

Ganz klar: Wenn man an Feste in Mexiko denkt, fällt einem sofort der Dia de los Muertos ein (der Tag der Toten). Zurecht! Es ist ein beeindruckender Feiertag, mit einer langen Geschichte, vielen Traditionen und einer magischen Atmosphäre. Der 1. und 2. November sind also zweifellos für viele Mexikaner zwei sehr besondere Tage.

Zuerst einmal ein paar Hintergrundinformationen

Der Tag der Toten wurde bereits vor mehreren tausend Jahren von der indigenen Bevölkerung vor der Kolonialisierung durch die Spanier gefeiert. Seit 2003 gehört dieses Fest dank der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit.

Der Glaube an Dia de los Muertos besagt, dass vom Abend des 31.10. bis zum 2.11. die Toten aus dem Jenseits zu ihren Angehörigen kommen, um sich an gemeinsame Zeiten zu erinnern und zu feiern. Es ist also keineswegs ein trauriges Fest. Der Tod wird als Teil des Lebens betrachtet und nicht als das Ende.

Dia de los Muertos in der Schule 31.10.

Bereits Tage und Wochen zuvor wurde mit der Planung begonnen. Die Kinder studierten Tänze und Lieder ein und es wurde fleißig Dekorationen für den Altar gebastelt. Der Altar soll die Verstorbenen willkommen heißen und wird entweder auf dem Friedhof, zu Hause oder – in unserem Fall – in der Schule aufgebaut. Er besteht aus mehreren Stufen, die mit verschiedenen Andenken der Geliebten, wie Lieblingsessen, Kleidung, Spielzeugen, einem Spiegel, Kerzen, den „Flores de muertos“(Ringelblumen) und ganz wichtig deren Fotos geschmückt ist. Die typischen Calaveras (Zucker-Totenköpfe) durften natürlich auch nicht fehlen.

Der Altar ist wirklich sehr schön geworden. Besonders Leonie hat übrigens viel beim Gestalten geholfen. Dieser wurde zwei verstorbenen Schülern gewidmet.

Am 31.10. war in der Schule „Tag der verrückten Frisuren“. An Halloween angelehnt, sollten alle mit verrückten Frisuren zur Schule kommen. Leonie und ich haben zwei kleine Geister aus unseren Haaren und Taschentüchern zusammengebastelt. Teilweise gab es an dem Tag richtig professionelle Kunstwerke zu bewundern.

„Süßes oder Saures“ oder wie die Mexikaner sagen „Dulce o truco“ ist auch hier nicht unbekannt. Jede Klasse ist von Tür zu Tür gegangen und konnte eine Menge Süßes abstauben. Doch damit noch nicht genug. Damit die vorhin erwähnten Zucker-Totenköpfe nicht fehlten, backten wir diese im Kindergarten dieses Jahr selbst.

Für alle die es nachmachen wollen: Die Zutaten sind lediglich Zucker, ein Eiweiß (oder Wasser) und etwas Limone sowie nach Wunsch Lebensmittelfarbe. Aber Achtung: Der Spaß kann zu einer ziemlichen Sauerrei werden. Auch am nächsten Tag klebte der Boden (nach mehrfachem Wischen) immer noch.

Und dann war er da: Der Tag der Toten 1.11.

Ich war wirklich beeindruckt von den schönen Kostümen und der aufwendigen Schminke der Kinder und der anderen Lehrer.

Gemeinsam versammelten sich alle (auch viele Eltern waren anwesend) und die einstudierten Tänze und Lieder wurden aufgeführt. Zudem wurde der Hintergrund des Tages in Erinnerung gerufen.

Anschließend wurde zusammen „Pan de Muertos“ (Brot der Toten – ein süßes Gebäck) gegessen und heißer Kakao getrunken.

Auf dem Rückweg von der Schule sind Leonie und ich noch spontan ins Zentrum von Guadalajara gefahren und haben dort einen sehr schönen Markt mit vielen kleinen Ständen und einer Mini-Kirmes angetroffen. Bis es schließlich dunkel wurde haben wir uns alles angeschaut und rote Tamales gegessen. Auch hier haben wir wieder sehr nette Leute kennengelernt.

Dia de los muertos 2.11.

Am Morgen des 2. November sind Leonie und ich nach Tlaquepaque einem anderen Stadtteil von Guadalajara gefahren. Auch hier gab es einen sehr großen Markt und unzählige Altare die sowohl Familienangehörigen, als auch berühmten Persöhnlichkeiten gewidmet waren. Zudem war alles wunderschön geschmückt und es gab viel Musik.

Am frühen Abend wurden wir eingeladen in die Universität von Guadalajara zu fahren. Hier hatte jeder Student die Möglichkeit für seine Verstorbenen einen Altar zu errichten. Es gab viele Tänze und Auftritte, einen Kostümwettbewerb, ein kleines Theaterstück und ein kleines buntes Haus an dem Stoffbänder herunterhingen. Auf diese konnte jeder etwas schreiben, was ihn an seine Verstorbenen erinnert.

Es war ein wirklich schönes Fest. Vielleicht werden Leonie und ich diese Tradition auch mit nach Deutschland nehmen und nächtes Jahr unseren eigenen kleinen Altar aufbauen. In unserem Studentenwohnheim gab es übrigens auch einen, auf dem man Fotos von Verstorbenen aufstellen durfte.

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